St. Kilian zu Heilbronn

Heilbronn ist eine Großstadt im Norden Baden-Württembergs und mit 122.567 Einwohnern die siebtgrößte Stadt des Bundeslandes.

Vor kurzen sind wir - ich habe davon berichtet - mit dem Rad von Stuttgart nach Heilbronn gefahren und haben dort die Kilianskirche besucht.
Eine schöne Strecke mit ein paar Steigungen, die man aber auch mit einem normalen Rad mit einer guten Gangschaltung ohne große Probleme gut fahren kann.

Wir haben auch die Kilianskirche und den dazugehörigen Glockenturm besichtigt, von oben hat man einen sehr schönen Blick über Heilbronn. Heilbronn gehört mit zu den Städten, die im Zweiten Weltkrieg zu den schlimmsten bombadierten Städten gehörte. Über 
62 Prozent der Stadt wurde zerstört unter anderem auch die Kilianskirche, die ich noch im zerstörten Zustand kenne, als ich immer mit der Oma in Heilbronn war.


Die Zerstörung Heilbronns am 4. Dezember 1944 konnte man bis nach Cleversulzbach sehen, die Oma und meine Mutter sahen schon, wie die RAF (mein Vater war zu dieser Zeit Gefangener des Naziregimes und war in Torgau im Gefängnis und zum Tod verurteilt) die sogenannten Christbäume setzten und dann ihre Bomben abwurfen. Der Himmel war blutrot und brannte.

Meine Oma sagte damals zu meiner Mutter und deren bis zu diesem Zeitpunkt vier Kindern im Beisein der SS, die auf dem Bauernhof der Großeltern "wohnte".

"Jetzt gehts auf Heilbronn runter, hoffentlich trifft es uns nicht!" 

Mein Großvater, der Bürgermeister von Cleversulzbach war, traf die nötigen Vorkehrungen, denn direkt neben dem Bauernhof meiner Großeltern war ein großes Munitionsdepot. 

Nun aber zur Geschichte! 

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Mit Entschlossenheit trieben der ehemalige Priester 
Johann Lachmann und der Bürgermeister Hans Riesser die Reformation in Heilbronn voran. Sie waren Schwäger und Brüder im Geiste und machten aus der Reichsstadt am Neckar ein Bollwerk der Lutheraner.



Am frühen Morgen des 7. Mai 1528 trafen sich 32 Männer und 46 Frauen in der Kilianskirche zu einem ganz besonderen Ereignis. Erstmals werden auch sie den Abendmahlskelch in die Hand bekommen, erstmals würde der Wein nun nicht mehr, wie es katholischer Brauch ist, nur dem Priester vorbehalten bleiben.


Von Anfang an hatten die Bürger der Freien Reichsstadt mit Martin Luther sympathisiert. Als 1521 die Reichsacht über ihn verhängt wurde, zögerten sie lange, den Erlass auch öffentlich bekanntzugeben.

Die Baugeschichte der Kilianskirche
um 1100

An der Stelle, an der die heutige Kilianskirche steht, bestand eine kleine, romanische Michaelskirche mit nach Osten ausgerichteter Apsis.

um 1270 bzw. 1280

Umbau zur frühgotischen Säulenbasilika mit mehreckigem Chor und zwei Chortürmen. Die Kirche wird erstmals als Kilianskirche bezeichnet. Der iro-schottische Mönch Kilian hat im siebten Jahrhundert vor allem in Mainfranken missioniert. Heilbronn gehörte zum Bistum Würzburg.

Bis 1487 

Zuerst wird das dreischiffige Langhaus umgebaut, dann entsteht der spätgotische hohe Hallenchor (man nimmt an, dass das unter dem Wiener Dombaumeister Anton Pilgram geschieht). Das Gewölbe entwurft der in Schwaben vielbeschäftigte Baumeister Aberlin Jörg, es ist heute rekonstruiert.




Fertigstellung des geschnitzten Hochaltars von Hans Seyfer, eines der bedeutendsten Schnitzwerke der europäischen Spätgotik im mittleren Neckarraum. Es beherrscht mit seiner Ausdruckkraft den gesamten Innenraum der Kililanskirche.



Man geht vor Erfurcht vor diesem wunderbaren Altar in die Knie, das sage ich jetzt mal so. Ein wunderbaren Altar von einer Schönheit, die einen sprachlos machen lässt.



1509 - 29
Hans Schweiner aus Weinsberg errichtet im Auftrag des Rates der Stadt den stolzen Westturm, geprägt durch eine ungewöhnliche Mischung aus Romanik und Renaissance. Vor allem das "Männle" auf der Turmspitze (ein Stadtsoldat) zeugt vom Bürgerstolz der Reichsstadt.

10.09.1944
 und
02.12.1944
Durch Luftangriffe der Alliierten werden Teile der Kilianskirche und fast die gesamte Altstadt vernichtet.

 Tenor: Bomber Harris (ich ringe heute mit mir, ob er ein Kriegsverbrecher ist, oder nicht und nicht nur Er)  "Historischer Stadtkern brennt gut!".

Er brannte gut und nicht nur in Heilbronn.

Arthur Harris (genannt Bomber Harris) ein hochdekorierter General.

"Harris perfektionierte die Technik der Luftangriffe in  unvorstellbarer Art: Seine Stäbe suchten anhand wissenschaftlich festgelegter Kriterien jene Städte in Deutschland als Ziele aus, die sich am leichtesten aus der Luft "anzünden" ließen. Seine Piloten lernten, ihre tödliche Last präzise in die engbebauten mittelalterlichen Innenstädte zu werfen. Harris tat genau das, was sein oberster Vorgesetzter, Premierminister Winston Churchill, von ihm wollte. "

Quelle: 
https://www.swr.de/swraktuell/bw/heilbronn/4-chronologie-des-schreckens/-/id=1562/did=18597330/nid=1562/d05vgz/index.html 


Der schwerste Luftangriff begann am 4.12.1944, innerhalb von 40 Minuten verwandelte die 
Royal Air Force (RAF) Heilbronn in ein Flammeninferno der nachfolgende Feuersturm tat sein übriges dazu. 

Wasser zum Löschen gab es nicht, denn zuvor war die Wasserversorgung bombadiert und zerstört worden.
Auch das Elektrizitätswerk war zerstört. 
  
6.500 Menschen verglühten und verstarben. Die Leichen lagen bis zu drei Wochen vor den Häusern.






Der Chor wird zerstört, das Langhaus ist eine Ruine, nur der Turm bleibt - stark beschädigt - stehen.
Die Figuren des Hochaltares waren ausgelagert, die Altarflügel feuerfest verwahrt. Der Rest des Altares wurde ein Raum der Flammen.

Die große Orgel
hat 62 Register (4209 Pfeifen) auf 4 Manualen mit Pedal mit mechanischer Spieltraktur und eleketrischer Registertaktur mit über 3000 Speichermöglichkeiten. Wer sich für Orgelbau interessiert, weiß, was das heisst. Es ist gewaltig.
Sie wurde 1959 von der Firma Walcker aus Ludwigsburg erbaut und 2001/2002 von der Firma Lenter (die Firma gehört dem Sohn unserer Chorleiterin) in Löchgau grundlegend renoviert.


Die musizierenden und tanzenden Engel am schmiedeeisernen Geländer der Orgelempore sind das Werk von Werner Holzbächer aus der Schlosserei Lutz in Heilbronn.

Es gibt noch eine Chororgel, die aus der Werkstatt der Orgelfirma Rentsch in Lauffen am Neckar stammt.

Ich könnte noch so viel mehr schreiben, aber das würde hier jetzt zu viel werden. Sollest du einmal nach Heilbronn kommen, so schau dir diese Kirche an.

Vor dem Südportal steht eine Skulptur von Jürgen Goetz.  Jürgen Goetz schuf den Christophorus 1988.

Jürgen Goetz hat noch mehrere Skulpturen u.a. in Bietigheim geschafften. Der Turm der grauen Pferde und das Kuriosum. 


Der Riese Christophorus trägt das Jesuskind hinein in die Wogen der Welt und mit ihm alle Last der Menschheit. Die Christophorus Legende, beschreibt das Suchen des Menschen nach dem Großen und dem Sinn, die mit der Christusbegegnung ihre Erfüllung findet.

Noch ein Bild hat mich berührt:


Simeon ein frommer israelitischer Mann harrt Jahre im Tempel aus, ihm wurde prophezeit, dass er erst sterben kann, wenn er Jesus gesehen hat.

Maria und Josef brachten - so wie es üblich war - ihr Kind nach der Geburt in den Tempel und dieser alte Mann kommt zu Jesus, hält ihn hoch und sagt "Jetzt kann ich sterben; jetzt nachdem ich den Heiland gesehen habe." (Luks 2,25-35)

Im Bild siehst du noch das großartige Heilbronner Rathaus mit seinem Uhrenspiel.

Das Heilbronner Rathaus wurde nach dem Krieg wieder aufgebaut und die Uhr genauso wieder rekonstruiert.

Wir gehen nun die 114 Stufen auf den Glockenturm und sehen uns um.


  Hier hängen insgesamt neun Glocken, die jedes Jahr am 
4. Dezember zum Gedenken an diesen Tag läuten. 
Es ist sehr interessant, zu hören, wie Glocken entstehen und was für verschiedene Schlagtöne sie haben.  

 
 


Was in des Dammes tiefer Grube
Die Hand mit Feuers Hilfe baut,
Hoch auf des Thurmes Glockenstube
Da wird es von uns zeugen laut.


Friedrich Schiller "Die Glocke" 

Warst du schon mal in einem Glockenturm und hast das ganze Plenum gehört?




Gehen durch dieses Tür und dann haben wir einen wunderbaren Blick.

Hinten der Götzenturm, hier war Götz von Berlichingen Gefangener des Schwäbischen Bundes. 









Ich stand schon als Kind mit der Oma davor und schaute diese Uhr an.

Hier ist die Uhr beschrieben:

https://de.wikipedia.org/wiki/Kunstuhr_(Heilbronn) 


Meine Oma sagte immer, dieser Engel bläst zum Jüngsten Gericht. 




Heilbronn ist eine Stadt die nach dem Krieg im Stil des Brutalismus wieder aufgebaut wurde. 

Brutalismus  ist ein Architekturstil der Moderne. Der Ursprung der Bezeichnung liegt unter anderem im französischen Begriff béton brut ("roher Beton"), der auf ein wesentliches Definitionsmerkmal des Stils verweist, nämlich die Materialsichtigkeit des Baus.

Auch das Stuttgarter Rathaus wurde in diesem Stil wieder erbaut. 

Es war der Stil der 50er Jahre wäre dies nicht geschehen hätten wir hier auch so wunderschöne wieder renovierte alte Städte wie in den neuen Bundesländern. 

Diese Zeit ist aber auch Baugeschichte, wenn sie auch gewöhnungsbedürftig ist. 


Es war nicht das letzte Mal, dass wir in Heilbronn waren.
Es ist eine der Städte meiner Kindheit und ich komme gerne wieder zurück. 



Novas Glockenturmprojekt

    






Kommentare

  1. Also das würde ich auf jeden Fall machen wenn ich dort mal hinkäme. Eine tolle Kirche, und was für ein schöner Turm. Ich liebe diesen Stil, schon wenn man von aussen auch soviel bewundern kann. Dazu dann noch drinnen...für mich ein Platz mit hinzusetzen und alles aufzusaugen wie ein Schwamm. Ganz toll auch das man nach oben gehen kann. Herrlicher Ausblick und du hattest auch Traumwetter mit wirklich schöner Sicht.

    Bei dem angesetzten kleinen "Türmchen" am Eingang musst ich an Dornröschen denken.

    Danke dir vielmals für den schönen Beitrag und die viele Info dazu. Toll wenn man "mitreisen" kann, und das aus der Ferne.

    Viele Grüssle

    N☼va

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  2. Wow, liebe Eva,

    was für eine wunderbare Kirche hast du uns hier vorgestellt. Dieser geschnitzte Altar, den kann man echt nur voller Ehrfurcht bewundern. Ich kenne so etwas aus dem Erzgebirge, von einer kleinen Kirche, die war ganz mit Schnitzereien geschmückt. Leider durfte da nicht fotografiert werden.
    Deine ganzen Ausführungen zu deiner Kirche habe ich mit vollem Interesse verfolgt.

    Übrigens, meine Urgroßeltern stammen auch aus Posen. Wo genau, keine Ahnung, aber auf dem Land.

    Viele liebe Grüße
    Paula

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  3. Liebe Eva,
    so gerne und mit ganz viel Begeisterung habe ich eben Deinen Beitrag gelesen und so viel Neues wieder einmal gelernt.
    Ganz ehrlich beim ersten Erwähnen von RAF fiel mir erst die Terrorgruppe ein, aber ja ich weiß ja das die damit nichts zu tun hatte. Wie gut das Du die Air Force dann nochmals extra erwähnst.
    Viel Leid und Elend - unvorstellbar für mich, wenn unsere Tante im Harz vom Angriff auf Dresden erzählt schauert es mich und dann bin ich so froh, so lange in einer friedlichen Zeit leben zu dürfen.
    Krieg ist immer fürchterlich - das sieht man ja schon in den Nachrichten. Es ist wohl utopisch, das es irgendwann überhaupt mal keinen Krieg mehr geben wird :(

    Dein Post hat mich sehr bewegt und ja sollte ich mal in der Gegend sein, mache ich einen Abstecher nach Heilbronn, den Altar würde ich mir sehr gerne mal in echt anschauen (auch wenn Deine Bilder ganz toll sind).
    Liebe Grüße sendet
    Kirsi

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