Es ist Sommer!

Guter Rat
 
An einem Sommermorgen
da nimm den Wanderstab,
es fallen deine Sorgen
wie Nebel von dir ab. 



Des Himmels heitre Bläue
lacht dir ins Herz hinein
und schließt, wie Gottes Treue,
mit seinem Dach dich ein. 




Rings Blüten nur und Triebe
und Halme von Segen schwer,
dir ist, als zöge die Liebe
des Weges nebenher. 




So heimisch alles klingt
als wie im Vaterhaus,
und über die Lerchen schwingt
die Seele sich hinaus. 

Theodor Fontane (1819-1898) 




 Es ist Sommer und was passt besser, als das Gedicht von Theodor Fontane!?
Bei Annika ist es wieder Zeit für die Monatsbäume. Ich hatte die Kopfweiden im Leudelsbachtal ausgewählt. 
Das Projekt scheint wohl nicht weiterzugehen, trotzdem zeige ich nun weiter meine Kopfweiden und die haben ganz ordentlich zugelegt. Annika meldet sich nicht und ein wenig mache ich mir schon Sorgen.

Wenn du die bisherigen Monatsbäume sehen willst, so schau bitte hier.

Ab Februar war ich mit dabei.

Die bisherigen Monatsbäume
 

Annika 

Monatsbäume 


Etwas, wenn du mal schauen willst, wie es in Cleversulzbach war, dann gib einfach oben im Suchfeld auf meinem Blog "Cleversulzbach" ein und du bekommst eine Menge Information.

Oder du schaust auch mal hier

Cleversulzbach eine Geschichte

Dort siehst du auch meinen Opa, den ich nicht mehr kennengelernt habe und auch unser Haus im Urzustand. 

Gleichzeitig geht der Post noch zu Lotta und Sommerfreuden. 

Sommer ist für mich, wenn ich durch die Felder und Wiesen mit dem Rad fahren kann, kurzärmelig und mit kurzen Hosen, aber immer mit Helm. 

Sommer ist für mich, das Getreide auf dem Feld zu sehen, den Duft von Getreide zu riechen, das erinnert mich an meine Zeit auf dem Bauernhof bei der Oma. 

Wie die Bauern aber heute das Getreide behandeln, das weiß ich nicht. Es ist wohl heute anders, als damals. 

Wie riecht Getreide, erdig, nach Sommer. Ich finde es riecht genauso, als ich auf dem Feld mit der Oma war.
Oma packte einen Korb mit Most, Wasser und Sirup, Brot (Sirup meinst Johannisbeere selbst gemacht und auch das Brot selbst gebacken und die Wurst, naja, Blutwurst usw.)

Damals habe ich tatsächlich noch Fleisch und Wurst gegessen, allerdings nie Geflügel. 
Für mich ein Greuel, Oma ging mit dem Beil in den Garten, holte sich ein Huhn oder einen Gockel und zack war der Kopf ab und der wurde dann von den anderen Hühner verspeist. 

Grrr neee!
 
Schlachten gehörte dazu, da kam dann der Metzger, nee, ich habe das nie sehen wollen und bin weggegangen. Aber ich habe mal gesehen, wie ein Schwein zur Schlachtbank durchs Dorf geführt wurde, es schrie ganz furchtbar und ich denke, hier wurde der Grundstock für mein Vegetarierdasein gelegt. 
Ich bin seit 39 Jahren Vegetarier und mir hat nie etwas gefehlt. Im Gegenteil ich bin putzmunter und gesund.  
Fisch ist für mich auch Fleisch und deshalb gibt es das schon lange hier nicht mehr.

  
Frühmorgens gingen wir schon auf das Feld, das in Richtung Brettach (heute Langenbrettach) lag. Es war neben ein paar kleineren Feldern, die die Oma nicht verpachtet hatte, recht groß und wir mußten Strickle (dieser Strick war eine dicke Schnur an der am anderen Ende ein Holzknauf angebracht war)  legen und zwar so, dass das Holzstück des  Knaufes oben lag. So konnte die Oma das Korn mit der Sense so mähen, dass die Halme direkt in den Strick gefallen sind und sie die Halme dann zusammenknoten konnte. Ich hoffe, du verstehst, wie ich das meine.
Naja, ich fands nicht so prickeln aber so war das eben. Um 12.00 Uhr (Zwölfeleuda)  gab es dann Vesper unter einem Baum. Das war wirklich schön. Die Sonne brannte und manchmal hatte ich einen recht schönen Sonnenbrand. An Sonnencreme oder Sonnenöl dachte damals noch Keiner und ich lebe noch. Vielleicht war damals in den 50er Jahren die Sonne auch noch nicht so agressiv, wie heute.
Dann gabs nochmals Vesper zum Viereleuda (16.00 Uhr die Kirchturmglocke) und dann wurde noch etwas gearbeitet und zum Sechseleuda (18.00 Uhr) ist man wieder nach Hause gegangen. Zwischendurch ging man dann auch mal in den Wengert (Weinberg) die Oma baute ja auch Wein an. 
Das war eine Mordsschinderei, heute sind die Weinberge ja bereinigt aber damals gabs noch Mauern und man mußte ganz schön klettern. Das nur am Rande, ich weiß also, was Arbeit ist. 

Auf einem kleinen Leiterwägele fuhren wir dann das Korn nach Hause.

Ich weiß, dass wir immer in der Scheune nebenan, das Korn mit einer uralten Dreschmaschine gedroschen haben.
Oben standen Leute drauf und gaben das Getreide ein. Dieses Teil erinnerte mich immer an eine große Ameise.   

Ich habe im Internet etwas gefunden, was unserer Dreschmaschine ähnlich sieht 

hier

Hier nochmals ein interessanter Link, der diese Dreschmaschine beschreibt, ich glaube das kennt kein Mensch mehr.

http://www.gronau-hessen-nassau.de/4.html 

Die Riemen lagen offen und wer nicht aufgepasst hat, nun der hatte ein Problem.
Arbeitsschutz, was war denn das?
   
Was ich noch weiß ist, dass die Nachbarn der Oma mich auch immer aufs Feld mitgenommen haben, Traktor fahren ist klasse und dort wurde dann mit dem Mähdrescher gearbeitet, das waren noch ganz andere Teile, als die, die man heute hat. Wir haben aber auch Heu gewendet, bis  es trocken war und auf dem großen Leiterwagen nach Hause gefahren und da durfte ich dann ganz oben sitzen. Wenn ein Bauer nicht aufgepasst hatte und das Heu nicht ganz trocken war, dann hatte er manchmal einen Brand in seiner Scheuer. Feuer, dass ich damit mal dann später etwas zu tun hatte, daran habe ich auch nie gedacht.

Auf dem Heuwagen nach Haus fahren? Das wäre heute unmöglich und gar nicht mehr erlaubt. Aber schön war es trotzdem. Seit ich zuhause bin, denke ich immer wieder an die Zeit in Cleversulzbach und warum ich da nie so gerne hingegangen bin. Als Kind sieht man viele Dinge anders.  Wenn ich das Feld rieche, den Mais sehe und mich auf die Maiskolben (wir sagten Maisdoggala dazu) freue, das ist Sommer. Es waren ja auch Doggale = schwäbisch Puppen, die  konnte man ja auch kämmen. 


In Cleversulzbach habe ich mit fünf Jahren das Radfahren auf einem großen Damenfahrrad gelernt, ich konnte nicht mal auf dem Sattel sitzen und ich konnte es recht schnell. Marianne die Tochter vom Nachbarbauer hat es mir beigebracht. Sie lebt inzwischen auch nicht mehr. Sie wäre heute so alt wie meine Schwester 83 Jahre. Eine Bauersfrau, die viel sehr viel hat arbeiten müssen und acht Kindern das Leben geschenkt hat und trotzdem immer gearbeitet hat.  Wenn wir heute über Arbeit, Stress usw. jammern, dann sollten wir nicht vergessen, wie schwer es die Bäuerinnen früher hatten und wie die Stadmenschen auf die Bäuerinnen geschaut haben.
Ist heute wohl auch ein wenig anders. 
 Ich habe dir ein wenig Bilder vom Sommer mitgebracht.
Bilder, die mich an meine Kindheit und den Sommer erinnern. 


Mit dem Rad ins Leudelsbachtal fahren, dann zurück zum Wohnort, es geht immer den Berg runter und Rast machen an den drei Linden (hatten wir in Cleversulzbach auch).
Den Hohenasperg im näher kommen sehen.


 Und diesen Blick auf unser Dorf und den Wasserturm und die Bartholomäuskirche zu haben.

Das ist Sommer und es ist so schön. 
Ja und sie trägt Früchte! Die Kirschpflaume, wunderbar sieht sie aus.
Ich habe schon gepflückt und ich habe Gsälz (schwäbisch für Marmelade) gekocht, lecker ist sie. Allerdings ist es nicht einfach die Früchte vom Stein zu befreien. 


 


Eine wunderbare Arie aus dem Freischütz von 
Carl Maria von Weber
Hier mit Nicolai Gedda, einem schwedischen lyrischen Tenor, den ich auch schon als Kind gehört habe. Er ist im Januar 2017 in der Schweiz gestorben.
Das ist ja die Jägeroper schlechthin und da ich früher viel mit Jägern und Forstleuten zu tun hatte, heute auch was für die Ohren. 
Durch die Feld, durch die Auen.  Ich streife gerne durch und denke oft an diese Arie.

Das war heute wieder viel zu lesen, aber du mußt ja nicht.
Mit den Geschichten verfolge ich ja auch einen Zweck. Es sind Erinnerungen, die ich auch habe und wir Kinder sind dabei verschiedene Dinge zusammenzutragen, vor allem auch die Geschichte meines Vaters. 

Kommentare

  1. Wunderbare Erinnerungen, liebe Eva,
    die herrlichen Bilder ergänzen Deine Kindheitserinnerungen und man geht gerne mit Dir durch die Zeit...
    Danke für diesen interessanten und vielseitigen Beitrag,
    guten Wochenstart und liebe Grüße
    moni

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  2. Ich mag solche Erinnerungen und kann mich auch noch an die Urlaube bei meiner Omi in Österreich sehr gut erinnern. Was bin ich da auf dem Bauernhof gegenüber "rumgetobt" und habe fleissig mitgeholen. Schwere Arbeit aber schön.

    Hier sind die Arbeiten teilweise heute noch so schwer weil Gerätschaften gar nicht auf die Felder könnten.

    Danke für den schönen Spaziergang am Morgen und deine Erinnerungen.

    Hab einen entspannten Wochenstart und viele Grüsse

    N☼va

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  3. Liebe Eva, ja es ist Sommer und Du hast ihn wunderbar eingefangen und so schöne Erinnerungen geteilt. In Fotos und Schrift - ich bin gerne mitgewandert.

    Zu Annika kann ich Dich beruhigen, bei FB ist veröffentlicht sie immer mal etwas aber warum sie die Monatsbäume nicht weiterführt kann ich Dir auch nicht verraten. So hast Du wenigstens ein Lebenszeichen jetzt bekommen!
    Liebe Grüße und einen guten Wochenstart
    Kirsi

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  4. Schön wie du die (guten) alten Zeiten beschrieben hast. Ich durfte das Landleben mal bei Verwandten in den Sommerferien kennenlernen und kann mich auch noch an das grauenvolle schlachten diverser Tiere erinnern. Mein Onkel hatte dann immer den größten Spaß, wenn es mich schauderte. Ich hoffe, dies macht man zum Glück heute nicht mehr mit kleinen Kindern.
    Das Fontanegedicht ist eine tolle Ergänzung zu den Bildern.

    Liebe Grüße und eine schöne Woche
    Arti

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  5. Liebe Eva,
    das wunderbare Gedicht oin Herrn Fontane, dazu die wunderbaren Bilder ... ein sehr gelungener Beginn für Deinen Sommerpost! Auch die herrlichen Erinnerungen, die Du beschreibst und bebildert hast, es war ein schöner Genuß, diesen Post zu schauen und zu lesen! Ich danke Dir dafür!
    Ich wünsche Dir eine zauberhafte neue Woche!
    ♥ Allerliebste Grüße,Claudia ♥

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  6. Liebe Eva,
    an heißen Sommertagen ist es besonders wohltuend durch den kühlen Wald zu radeln - deine Bilder mit dem erfrischenen Bachlauf zeigen ein wunderschöne Waldstimmung.
    Schönen Abend für dich, Marita

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  7. Sehr interessant, denn ich kenne alle diese Sachen nicht, auch wenn meine Oma nach ihrer Flucht in der Landwirtschaft gearbeitet hat. Vom Strickle legen habe ich gar keine Vorstellung, was du meinst, aber ich denke, so sind Stricke aus dem Stroh entstanden.
    Die Beschreibung vom Hühnerschlachten ließ mich auch schlucken....vor allem der Rest. Ich war mal in Indien und habe mir ein Huhn vom Markt gekauft...einmal und nie wieder. Das war ein ähnliches Erlebnis.
    Schön, der Berg mit Blick auf die Festung.
    LG Sigrun

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    1. Liebe Sigrun,
      das ist so ein ca. 3-4 cm im Durchmesser ca. 1 m langer Strick mit einem Holzknauf an einem Ende.

      Diesen Strick mußte man auf der Erde so legen, dass der Holzknaur in - ich sage jetzt mal - Fahrtrichtung lag. Ein kleiner ca. 10 cm Abstand, dann kam der selbe Strick und so ging es weiter. Die Oma mähte dann mit der Sense so, dass die Ähren direkt in den Strick gefallen sind. Dann kam sie und schnürte die Ähren zu einem Bündel und schichtete sie an einem Holzgerüst zum Trocknen auf.
      Das dauerte und ging ins Kreuz auf bei Kindern.

      Ich hoffe, jetzt ist es verständlicher, wenn man in den Jahren auf dem Bauerhof war, dann denke ich wissen es die Älteren auf jeden Fall. Es ist eine Schinderei und deshalb habe ich mit Ackerbau-Gartenbau- und Viezucht nix am Hals. Übrigens meine Geschwister und vor allem meine Mutter auch nicht. :-))

      Ja und ich bin heute überzeugt, dass die Hühner, die geschlaget werden auch fabrikmäßig auchnicht so ein tolles Leben habe und wenn ich diese Göckelegrills sehe, in denen sich die Hühner gleichmäßig drehen und der Geruch, dann wird mir schlecht.
      Wenn ich morgens schon in der S-Bahn den Weg ins Büro gegangen bin von der Stadtmitte aus, empfing mich in der Fußgängerzone immer diesen Geruch von gebratenem Huhn, ich finde das ist grässlich. Genauso wie Schweinefleisch, deshalb mag ich auch den Grillgeruch von gebratenem Schweinefleisch nicht und der liegt zur Zeit hier in der Luft. Ich mags nicht. Aber das ist halt das Leben.

      Lieben Gruß Eva

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    2. Damit du weisst, was ich meine, hier habe ich einen Artikel in der Leonberger Kreiszeitung gefunden.

      http://www.leonberger-kreiszeitung.de/inhalt.rutesheim-zwei-mal-ums-kloetzle-und-dann-unten-durch.d97d2b68-0ecb-4fed-abb2-60dbcf79b8bc.html

      Da kann man es besser verstehen.

      Lieben Gruß Eva

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  8. ein schönes Gedicht und wunderschöne Bilder dazu ..
    an dem Bach würde ich auch gerne spazieren gehen ..
    ja.. der Geruch von reifem Getreide ist unbeschreibbar..einfach Sommerduft ;)
    ich kenne auch noch so einiges von der Landwirtschaft meiner Oma..
    es war nur ein kleines Stück Land
    mehr ging in der damaligen Ostzone ja nicht
    wir fuhren meist im Herbst dorthin
    da wurden die Rüben und Kartoffeln ausgemacht
    beim Kartoffeln sortieren habe ich auch geholfen
    die dicken waren für die Abgabe ..die kleineren Saatkartoffeln
    beschädigte ..winzige .. mittlere zum eigenen Bedarf
    und Pflaumen ernten
    da wurde dann Kompott gekocht und Pflaumenmus ..
    beim Schlachten habe ich nie zugesehen
    ein Schwein mästete die Oma dass schlachtete der Metzger
    sie kochte das Fleisch ein
    denn Kühltuhen oder - Schränke gab es nicht
    und eine Wurst machte sie..
    unerreicht im Geschmack
    eine Hartwurst die in den Rauchfang gehangen wurde wie der Schinken

    ja die Vergangenheit .. manchmal ist sie einem ganz nahe
    bei bestimmten Bildern oder Gerüchen

    liebe Grüße
    Rosi

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