Die Wolke der Himmelfahrt

Ist ein Gedicht von Karl Gerok, den ich am Freitag mit dem Gedicht zum Mohn vorgestellt habe. 

Er hat einige wunderschöne Gedicht geschrieben und auch
dieses (Himmelfahrt), das ich heute zu Lottas Wetterimpressionen mitgebracht habe. 

Ich habe Wolken vom Laufen und Radeln anzubieten und einen wundervollen Sonnenaufgang, den ich gestern Morgen um 5.45 Uhr fotografiert habe. 












Die Wolke der Himmelfahrt

Gedicht von Karl Gerok

Und da er solches gesagt, ward er aufgehaben
zusehends und eine Wolke nahm ihn vor ihren
Augen weg.


Die Wolke kommt, als Siegeswagen
Den Menschensohn emporzutragen
Zum Lobgesang den Seraphim;
Des Oelbergs Höhn, Moriahs Hügel,
Der Länder Kreis, der Meere Spiegel
Verschwinden dämmernd unter ihm;
Der trübe Gang im Thränenthale
Sinkt wie ein düstrer Traum zurück,
Und in der Ewigkeiten Strahle
Sonnt selig sich sein Siegerblick.

  Und wie, als dort mit Feuerrossen
Den großen Meister und Genossen
Elisa sich entrissen sah:
Mein Vater, Vater! scholl sein Klagen,
Israels Reiter, Roß und Wagen,
Laß deinen Geist mir zwiefach dal
So hob, dem Meister nachzuschauen,
Voll Wehmuth seiner Jünger Chor
Die Häupter auf, bis hoch im Blauen
Die Silberwolke sich verlor.

Diesen Blick habe ich, wenn ich in meinem Bett liege und zum Fenster rausschaue.


Doch aus der Wolke quillt der Regen,
Bald zeugt's der Pfingsten Gnadensegen:
Der Herr vergaß die seinen nicht;
Doch aus der Wolke zucken Blitze,
Bald hält von seinem Königssitze
Er über Zion sein Gericht;
Und birgt ihn heute noch die Wolke
Vor unsrem blöden Erdenblick,
Doch ließ er segnend seinem Volke
Sein ewig Testament zurück.



Er ist hinweg; sein Kleid berührte,
Seit ihn das Lichtgewolk entführte,
Kein Kranker mehr mit flehnder Hand;
Sem holdes Angesicht erblickte,
Seit ihn der Welt sein Gott entrückte,
Kein Jünger mehr im Pilgerland:
Doch nun gebeut er aller Enden
Erst königlich der weiten Welt,
Die er mit den durchgrabnen Händen
Am Zügel seiner Allmacht hält.



O Herr, zwar blicken oft die Deinen
Mit heißem Schmerz, mit bittrem Weinen
Empor zu Deinem Wolkensitz:
Ach! daß den Himmel Du zerrissest!
Ach! daß die Feinde Du zerschmissest
Mit Deiner Allmacht heil'gem Blitz!
Hier unten spotten sie und toben,
Als frügst Du nach dem Weltlauf nichts,
Du aber thronst verborgen droben
Im Glanze Deines Himmelslichts.



Oft, wenn im dunkeln Trübsalswetter
Nach dem Erlöser, dem Erretter
Umsonst mein banges Auge sah,
Wenn ich des großen Trösters dachte,
Der einst so sel'ge Hilfe brachte
Zu Rain und Bethania,
Dann klagt' ich: willst du nimmer kommen
Herab aus deinem Freudensaal?
Hat dich die Wolke ganz genommen
Dem armen Volk im Thränenthal?



Ingersheim mit seiner Kirche






Oft, wenn die Gläubigen sich streiten,
Dein Reich zu bau'n, dein Wort zu deuten,
Und keiner trifft's nach deinem Sinn;
Oft wenn im eignen Herzen drinnen
Die Zweifel mir dein Bild umspinnen
Und ich so schwach im Glauben bin;
Dann seufz' ich: Daß du doch durchbrächest
Mit Einem Strahl den Wolkenflorl
Daß du ein Wort, ein Wort nur sprächest
In der entzweiten Jünger Chor!



Oft, wenn in seligem Entzücken
Mit Glaubensflügeln, Hoffnungsblicken
Mein Geist empor vom Staube steigt,
Und was kein sterblich Ohr vernommen,
Was in kein Menschenherz gekommen,
Der Geist dem Geist von ferne zeigt,
Dann sinkt mein Aug' in Thränen nieder,
Weil vor dem Thor der höhern Welt,
Das Heiligste verhüllend, wieder
Der Wolke Vorhang niederfällt.




Doch sieh! die Wolke, die dort oben
Aus Erdendunst und Licht gewoben
Das blaue Aethermeer durchzieht,
Dem Glauben wird sie gern zum Flügel,
Der Hoffnung zum besonnten Hügel,
Darauf sie kühn in's Jenseits sieht;
Sie läßt ein Vaterland mich ahnen,
Dahin am Tag der Himmelfahrt
Geheimnißvoll auf luft'gen Bahnen
Mein Heiland hingerücket ward.



Geduld, Geduld, es kommt die Stunde,
Da von dem dunkeln Erdengrunde
Auch du dich hebst, erlöster Geist;
Dann kommt auch dir der Wolkenwagen,
Dann wirst auch du emporgetragen,
Der Schleier sinkt, der Vorhang reißt;
Wenn dir, von Todesnacht umwoben,
Die Welt vergeht, das Auge bricht:
Das ist die Wolke, die nach oben
Dich träumend hebt in's ew'ge Licht!




 

Kommentare

  1. Wieder sehr, sehr schön, wie du das Thema umgesetzt hast! Ich wünsche dir heute einen tollen Tag! LG Lotta.

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  2. Liebe Eva,

    was für tolle Sonnenaufgangsbilder hast Du machen können. Vielleicht schaffe ich es ja auch irgendwann mal mich so zeitig aus dem Bett zu hiefen.
    Deine Wolkenbilder sind aber auch wunderschön geworden. So ein Wölkchen täte bei uns hier ganz gut - heute sollen es 33 Grad werden. Das ist einfach schon wieder zuviel des Guten.

    Ich wünsche Dir einen schönen Sonntag.

    Liebe Grüße
    Jutta

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  3. Tolle Bilder hast du gemacht! Ich liebe auch die aufgehende Sonne leider bin ich meist im Dienstauto unterwegs und kann dann keine Fotos machen, aber ich habe welche im Archiv! Dein Bokeh-Foto (habe ich ja letzte Woche gelernt) mit der Distel (?) gefällt mir ausgesprochen gut! Deine Gedanken und Gedichte passen super zu den Bildern! Danke!
    Ich wünsche Dir einen schönen Sonntag und einen guten Start in die neue Woche! Liebe Grüße Patricia

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    1. Hallo Patricia,
      ich weiß jetzt nicht, was du mit Distel meinst.
      Ich habe den Zierlauch und denke, dass du mit Distel den Spitzwegerich meinst.
      Auch ein Heilkraut und auch bei einer Exkursion mit dem schönen, wilden Mann aufgenommen. :-))

      LG Eva

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    2. DEswegen das Fragezeichen ...... ich kenne das Grün am Wegesrand nicht mit Namen! Danke für deine Aufklärung! LG Patricia

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  4. Herrlich dein Blick aus dem Fenster, mich kann die Sonne nicht wecken weil sie zu früh aufgeht und ich dann noch tief und fest (meistens) schlafe.
    Habe heute nur kurz Zeit, lese den Text gerne später.
    L G Pia

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  5. wow wunderschöne Sonnenaufgäne,ein Traum....LG Mummel

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  6. Liebe Eva,
    deine Bilder vom Sonnenaufgang sind sensationell schön ... postkartenreif. Aber auch deine Himmelswolkenbilder gefallen mir ...interessant mit den Hochspannungsmasten.
    Ich wünsche dir eine schöne, sonnige Woche.
    Viele liebe Grüße, Marita

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  7. Ich bin ganz weg, von deinen Blicken. Du hast wirklich schöne Aussichten.
    Lieben Gruß
    Andrea

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