Unterm Rad oder unterm Reifen

 "Unterm Rad" gehört zu den frühen Erzählungen des in Calw geborenen Schriftstellers Hermann Hesse, auch ein Schwabe.
 


Die Erzählung entstand 1903, wurde aber erst im Herbst des Jahres 1905 (1906) veröffentlicht. 

Die Erzählung "Unterm Rad" nimmt im Werk von Hermann Hesse einen großen Platz ein. 
Man erkennt aber auch eine große emotionale Bindung Hesses an sein Werk.

Den Titel "Unterm Rad" wählte Hermann Hesse bewußt, denn hier meint Hermann Hesse 
das Rad des Lebens, 
in das Hans Giebenrath gerät, und erzählt die Geschichte seines Bruders Hans, der sich wegen schulischer Problemen umbrachte.

Als ich neulich unterwegs war und diesen Reifen auf einem Kinderspielplatz sah, dachte ich an die Erzählung. Ich war zwar nicht direkt unterm Rad aber doch ganz unten.

Mir ging es oft auch in der Schule so, dass ich ganz unten war. Trotz mancher verbaler Schläge habe ich mein Leben gemeistert.  Bei manchen Lehrern vermisste ich auch eine gewisse Sensibilität und auch pädagogische Ausbildung. Viele Lehrer hatten auch nach dem Krieg, bzw. in den 50er und 60er Jahren eine sogenannte "Schnellbleiche" bekommen und rutschten so in das Beamtenverhältnis ohne großes Studium, so sagte man damals "Schnellbleiche". Denn es herrschte ein akuter Lehrermangel in dieser Zeit. 



Das Gebäude hinten ist ein Dienstgebäude vom 
Zweckverband Landeswasserversorgung
 Baden-Württemberg
 


Unterm Rad bzw. unterm Reifen. Der Reifen ist nicht immer gerade, weil der Wind wehte und der Reifen sich im Wind drehte.
Das Rad des Lebens läuft manchmal auch schief, da kann man oft auch nicht viel geraderücken. Das ging mir bei diesen Bilder so durch den Kopf.
 

Es gibt auf dem Spielplatz noch diese Rutschbahn und ich dachte, als ich so auf dem Boden lag, dass so Mancher wohl auch spielend die Rutschbahn des Lebens heruntergerutscht ist, ohne sich besonders anstrengen zu müssen.








Ganz früh bin ich mit Carl Orfs Carmina Burana in Verbindung gekommen und höre dieses Werk heute noch sehr gerne. 
Vor einigen Jahren, als mein Sohn noch ins Asperger Gynasium ging, haben wir sie mal im Elfenchor gesungen. 
Heute kann ich noch einzelne Passagen auswendig obwohl sie ja in Latein sind, aber wenn man das mal gelernt hat, kann ja nicht viel schiefgehen.
Da ich nun im evangelischen Kirchenchor singe, werde ich wohl dieses Werk nicht mehr singen,
denn wir singen nur geistliche Lieder und hier geht es eben auch um das Rad des Lebens aber in anderer Hinsicht. 
Hier geht es um leben, lieben, essen und trinken. Es ist ein wundervolles Chorwerk in 
raffinierter Schlichtheit. 

Unter anderem singt hier der Schwan seine Geschichte.


Der gebratene Schwan singt:

Einst schwamm ich auf den Seen umher,
Einst lebte ich und war schön,
Als ich ein Schwan noch war.

Armer, armer!
Nun so schwarz
Und so arg verbrannt!

Es dreht und wendet mich der Koch.
Das Feuer brennt mich sehr.
Nun setzt mich vor der Speisemeister.

Armer, armer!
Nun so schwarz
Und so arg verbrannt!

Jetzt liege ich auf der Schüssel
Und kann nicht mehr fliegen,
Sehe bleckende Zähne um mich her!

Armer, armer!
Nun so schwarz
Und so arg verbrannt! 

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Lateinisch
Olim lacus columeram,
olim pulcher extiteram,
dum cignus ego fueram.

Miser, miser!
Modo niger
et ustus fortiter!

Girat, regirat garcifer;
me rogus urit fortiter;
propinat me nunc dapifer.

Miser, miser!
Modo niger
et ustus fortiter!

Nunc in scutella iaceo,
et volitare nequeo,
dentes frendentes video.

Miser, miser!
Modo niger
et ustus fortiter! 

Kommentare

  1. Schaut noch sehr frisch und neu aus die Reifenschaukel, das Rad.

    Denke mal so Jeder hat und hatte im Leben sein Päckchen zu tragen und um so schöner wenn einen diese Situationen stärken und man wieder "weiterrutscht" und nicht unter die Räder kommt.

    Schönen Tag und viele Grüsse

    N☼va

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  2. Ein schöner und nachdenklich machender Post, liebe Eva. Danke dafür.
    Dir einen schönen Tag und alles Liebe,
    Nadia

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  3. Liebe Eva,
    das ist ein Post, der mich sofort angesprochen hat. Unterm Rad hat für mich durchaus eine Bedeutung, wie Du ja schon schreibst, läuft das Rad des Lebens eben manchmal schief. Carmina Burana ist eines meiner Lieblingsstücke. Das habe ich zum ersten Mal während des Studiums gehört und höre es immer wieder gerne.
    Ich wünsche Dir einen schönen Tag.

    Viele liebe Grüße
    Wolfgang

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  4. Liebe Eva,
    danke für diesen nachdenklichen Post...so mancher hat sein Päckchen zu tragen, ist im Leben nicht in einem Schwung die Rutsche herunter gekommen oder unter die Räder geraten...man sollte dankbar sein und nicht als selbstverständlich annehmen, wenn im eigenen Leben alles relativ glatt verlief. Schöne Bilder hast du zu diesem Beitrag gewählt.
    Ich wünsche dir eine gute Woche,
    viele liebe Grüße Marita

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  5. Was für ein wundervoller, wenn auch nachdenklicher Post, liebe Eva! Auch hier bei uns werden gerade mal wieder verbale Schläge abgearbeitet - nicht von den Lehrern - hier sind es einige Schüler, die anscheinend keine gute Kinderstube haben. Liebste Grüße und eine feste Umarmung, Nicole

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  6. ja das Rad des Lebens .. es dreht sich unaufhörlich
    und man muss schon aufpassen dass man nicht drunter kommt ;)

    die ersten Schuljahre.. ja da gäbe es zu berichten..
    wir wurden vom Lehrer noch geschlagen..
    aber es sind Erinnerungen die heute nicht mehr weh tun..
    die nur manchmal eine leichte Melanchoie auslösen können ..

    bei Martina Pfannenschmidt hatte ich dieser Tage die berührende Geschichte gelesen von dem Rucksack den man auf dem Rücken trägt und aus dem man manchmal aussortieren muss damit er nicht zu schwer wird ;)

    ich wünshce dir noch eine schöne Restwoche..
    Rosi

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  7. Sehr schöne Aufnahmen und nachdenkliche Zeilen
    LG Siglinde

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  8. Liebe Eva,
    wie oft schon habe ich Unterm Rad von Hesse gelesen und ich werde es bestimmt wieder lesen. Manche Bücher nehme ich gerne immer wieder zur Hand.
    Ja das Lebensrad dreht sich unaufhörlich und man muss echt aufpassen dass man davon nicht überrollt wird.
    Ich denke dass keiner die Lebensrutsche einfach ohne Hinderniss herunterrutschen kann. Vielleicht sieht es nach Außen so aus aber beim Blich hinter die Kulissen tun sich oft Abgründe aus.
    Du hast wieder einen schönen Post der mich zum Nachdenken anregt geschrieben - Danke.
    Viele liebe Grüße
    Silke

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  9. Liebe Eva, so ist das Leben, manchmal läuft es einfach nicht rund; aber solange wir nicht unter die Räder kommen, ist alles gut. Sehr eindrucksvoll das Bild mit dem Rad.
    Herzliche Grüße, Angelika

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  10. Liebe Eva,
    sehr besinnliche Aschermittwochsworte bringst Du heute und es tut gut, so zwischendurch einmal nachzudenken.
    Der Vergleich Reifen/Rad mit dem Rad des Lebens ist sehr gekonnt.
    Kommt womöglich das vielzitierte "Hamsterrad" in dem sich Werktätige befinden, auch aus diesem Bereich?

    Liebe Grüße
    Elisabetta

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    1. Liebe Elisabetta,
      "unter die Räder kommen" steht für symbolisch auf Jemand, der überfahren worden ist.

      Zum anderen sagt man auch : "Sich wie gerädert fühlen", das kommt daher, dass man früher bei Strafe usw. auf das Rad geflochten wurde.


      lieben Gruß Eva

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  11. Liebe Eva, deine gelungenen Fotos und nachdenklichen Zeilen sprechen mich sehr an!
    Liebe Grüße, Christa ... die jetzt wieder öfters bei dir vorbei schaut.;-))

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