Luthers Weihnachtslied

Man schrieb in Wittenberg das Jahr 1535. 
 




Draußen war es Winter mit kaltem Schneelicht. Luther saß in seiner Studierstube vor lauter Akten und Bücherbergen. Um seine Beine herum kroch ein kleines Mädchen, das mochte wohl so an die fünf Jahre alt sein. Sie war langzöpfig, hatte große lachende Augen und hieß Magdalena. Luther lächelte, schob die dicken Akten zur Seite und sann vor sich hin.


Draußen rüttelte der Schneesturm.

Er griff zum Federkiel und bildete Verszeile auf Verszeile. Um jede Zeile kam ihm vor, als wäre sie eine Säule zu einem Kirchlein. Und er schrieb und schrieb. Manchmal lauschte er nach unten, zu seinen Füßen. Und da haschte er den Liebreiz aus den Augen seiner Magdalena. Und der Kinderliebreiz wurde zum bunten Fenster im Kirchlein.



Das kleine Mädchen war eben dabei, Luthers Schuhriemen aufzulösen, jetzt war sie fertig und warf den Schuh an die Lutherlaute, die in der Ecke, wie ein lustiger Fant, im Dunklen stand.

Die Laute klirrte und tönte. Lenichen jubelte und jauchzte und lachte.



Luther nahm das Lachen, das helle, klingende Kinderlachen und baute einen strahlenden Altar daraus für sein Kirchlein.

Und nun sang die kleine Luthertochter; ein ungeschicktes Kindersingen. Und das Kindersingen flog in das Lied, das der Doktor baute, und wurde zur läutenden Glocke darin.




Luther war fertig und strahlte und griff seine kleine Tochter, setzte sie auf den Schoß und las, den bloden Kinderschopf an seine Brust gelehnt:

"Vom Himmel hoch, da komm ich her,
ich bring euch gute neue Mär;
der guten Mär bring is so viel,
davon ich singen und sagen will."

Draußen schneite es immer mehr. Und Luther las singend und lächelnd weiter. Und ihm war, als habe er auf seinem Schoße, warm in die Arme gedrückt, einen Engel eingefangen.



Gefunden in einem alten Schulbuch. 

In meinem Haus gibt es immer Blumen und weil heute Freitag ist, ist auch Blumentag verbunden mit einer kleinen Weihnachtsgeschichte. 

Die Rosen, die habe ich geschenkt bekommen und sie sind auch etwas kürzer geworden. Der Weihnachtsstern ist von meiner lieben Schwester und sie hat mir eine große Freude gemacht, weil er so schön in Weiß verpackt war. 

Luther schrieb den Text zu "Vom Himmel hoch da komm ich her" im Jahr 1535 für die Weihnachtsbescherung seiner Kinder, da ursprünglich 15 Strophen hatte. Von dieser wurden aber mit der Zeit einige weggelassen. 
Die Strophen 1-4, 6 und 15 singt man aber heute noch.
Die Melodie ist eine alte Spielmannsweise aus dem 
15. Jahrhundert.

Vom Himmel hoch, da komm' ich her,
ich bring' euch gute neue Mär,
der guten Mär bring' ich soviel,
davon ich sing'n und sagen will.


Euch ist ein Kindlein heut geborn
von einer Jungfrau auserkorn,
ein Kindelein so zart und fein,
das soll eur Freud und Wonne sein.


Es ist der Herr Christ, unser Gott,
der will euch führn aus aller Not,
er will eur Heiland selber sein,
von allen Sünden machen rein.


Er bringt euch alle Seligkeit,
die Gott der Vater hat bereit',
daß ihr mit uns im Himmelreich
sollt leben nun und ewiglich.


So merket nun das Zeichen recht:
die Krippe, Windelein so schlecht,
da findet ihr das Kind gelegt,
das alle Welt erhält und trägt.


Des laßt uns alle fröhlich sein
und mit den Hirten gehn hinein,
zu sehn, was Gott uns hat beschert,
mit seinem lieben Sohn verehrt.


Merk auf, mein Herz, und sieh dorthin,
was liegt doch in dem Krippelein?
Wes ist das schöne Kindelein?
Es ist das liebe Jesulein.


Sei mir willkommen, edler Gast!
Den Sünder nicht verschmähet hast
und kommst ins Elend her zu mir:
Wie soll ich immer danken dir?


Ach Herr, du Schöpfer aller Ding,
wie bist du worden so gering,
daß du da liegst auf dürrem Gras,
davon ein Rind und Esel aß!


Und war die Welt vielmal so weit,
von Edelstein und Gold bereit',
so war sie doch dir viel zu klein,
zu sein ein enges Wiegelein.


Der Sammet und die Seiden dein,
das ist grob Heu und Windelein,
darauf du König groß und reich
herprangst, als wärs dein Himmelreich.


Das hat also gefallen dir,
die Wahrheit anzuzeigen mir,
wie aller Welt Macht, Ehr und Gut
vor dir nichts gilt, nichts hilft noch tut.


Ach mein herzliebes Jesulein,
mach dir ein rein sanft Bettelein,
zu ruhen in meins Herzens Schrein,
daß ich nimmer vergesse dein.


Davon ich allzeit fröhlich sei,
zu springen, singen immer frei
das rechte Susaninne schön,
mit Herzenslust den süßen Ton.


Lob, Ehr sei Gott im höchsten Thron,
der uns schenkt seinen eingen Sohn.
Des freuen sich der Engel Schar'
und singen uns solch neues Jahr.

 

  Freutag

Floral Friday

Johann Sebastian Bach verwendete die Melodie für drei Choräle in seinem Weihnachtsoratorium. 

Kommentare

  1. Wunderschön bebildert hast du die Geschichte die ich noch nicht kannte. Man kann es sich richtig gut vorstellen und es wird mir dabei warm ums Herz. Danke dir vielmals dafür.

    Dir einen schönen Tag wünschend sende ich liebe Grüsse

    N☼va

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  2. Liebe Eva,
    das ist auch eine schöne Weihnachtsgeschichte, ich habe heute über die Mumin-Weihnachtsgschichte geschrieben. Dieses Lied mag ich sehr gerne und jetzt mit Deinen schönen Bildern vor Augen bestimmt noch lieber!
    Liebe Grüße und ein schönes und besinnliches Fest Dir und Deinen Lieben wünscht
    Kirsi

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  3. Liebe Eva,

    du Liebe...habe mich sehr gefreut über deine Geburtstagsgrüsse vom Sonntag. Natürlich auch denen von heute. :-)
    Mein Mann hat frei und so komme ich nicht zu den Dingen welche ich sonst eher Zeit habe,deshalb habe ich dir noch nicht gedankt. Eigentlich wollte ich es im heutigen Post tun...aber vergessen. :-(
    Darum hier nochmals ein herzliches Dankeschön von mir. ♥

    Ehrlich gesagt sind wir in keinen der Käthegeschäfte gegangen....waren zu voll und das wollte ich mir nicht antun. An Weihnachtsmärkte gehen wir nicht regelmässig, dieses Jahr aber lustiger weise mehr wie sonst. Für meine Schwester waren die zwei Tage Erholung von ihren 3 kleineren Kindern. ;-)

    Das dieses Lied so viele Abschnitte hat...wow. Leider fehlt bei uns das Singen zu Weihnachten, denn die Erwachsenen Kinder wollen es nicht mehr. Hoffnung gibts wenn Enkelkinder irgendwann da sind. :-)

    Alle Liebe und Gute für dich und deine Lieben zu Weihnachten.

    Herzlichst
    Julia

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  4. Liebe Eva,
    das ist eine wirklich schöne Weihnachtsgeschichte. Die werde ich mir bei dir mopsen und ausdrucken :)
    Deine Blümchen sehen auch schön aus, ich mag weiße Blüten so gerne weil sie immer so edel aussehen.
    Ich habe mir eben den Liedtext durgelesen - mir war gar nicht bewusst dass dieses Lied so viele Verse hat. Die ersten Zeilen konnte ich noch auswendig ...
    Jetzt wünsche ich dir einen schönen Tag. Lass es ruhig angehen und leg auch mal die Füße hoch.
    Viele liebe Grüße
    Silke

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  5. Auch ich wünsche dir ein schönes Weihnachsfest und ein glückliches neues Jahr 2017!
    Danke, für diese schöne Weihnachtsgeschichte!

    Liebe Grüße,
    Doris

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  6. Hallo Eva eine schöne Geschichte,ich mag es eh sehr gerne so alte Geschichten.Habe mir gestern auch eine Sendung angeschaut,Weihnachten früher auf dem Land.War sehr schön.Wünsche dir und deinen lieben ein schönes,frohes Weihnachtsfest.Lg Elke

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  7. wie schön deine Geschichte..
    und so anschaulich..
    die alten Lieder haben es gar nicht verdient so in der Versenkung zu landen
    allerdings eignen sie sich auch nicht für die "Berieselung" in Supermärkten und Co.
    danke fürs Mitteilen
    frohe Weihnachten
    Rosi

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  8. ...einen schöne Geschichte, liebe Eva,
    und dein Stillleben sieht schön festlich aus...
    freud- und friedvolle Weihnachtstage mit deinen Lieben wünsche ich dir,

    liebe Grüße Birgitt

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  9. Liebe Eva, ich wünsche Dir ein wunderschönes Weihnachtsfest, liebe Grüße Tina

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  10. Was für eine wunderschöne Weihnachtsgeschichte, liebe Eva! Vielen lieben Dank dafür! Ich mag das Weihnachtslied so gerne! Und die Geschichte mit dem kleinem Mädchen greift ans Herz.. hachz! Liebe Eva, ich wünsche Dir und Deinen Lieben ein friedvolles und lichterhelles Weihnachten! Liebe Grüße, Nicole.

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  11. liebe Eva,
    eine wundervolle Geschichte und traumhafte Bilder!
    ich wünsche Dir ein schönes Weihnachtsfest!
    liebe Grüße
    Gerti

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  12. Liebe Eva,
    weihnachtlich kann ein Post nicht sein - eine so schöne Geschichte
    und auch die Bilder sind traumhaft.
    Ich wünsch die ein wundervolles Weihnachtsfest mit all deinen Lieben, Jana

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  13. Wieder so ein schönes Lied....
    Und dazu die feierliche Blumendekoration! Weihnachten kann kommen...
    Ich wünsche dir eine "staade Zeit"!
    ❤️
    Astrid

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  14. Liebe Eva,
    ich danke Dir für diese wundervolle Geschichte über Lutzer's Weihnachtslied!
    Danke auch für die so wunderschönen Bilder dazu ...
    Ich wünsche Dir und Deinen Lieben ein zauberhaftes und fröhliches Weihnachtsfest!
    ♥ Allerliebste Grüße,Claudia ♥

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  15. A wonderfully festive post with beautiful photos, word and music!
    Thank you for linking up with the Floral Friday Fotos meme.

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Lieben Gruß Eva








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