Der Blaue Reiter


 "Du musst was sagen, weil es Dir gegeben ist, Lege nur Dein Ohr an Dein Herz und horche"

Wassily Kandinsky an Gabriele Münter am 3.12.1910



Heute wollte ich die Wanderung zum Hohen Kranzberg bringen, habe mit aber anders entschieden und diese Wanderung auf den Donnerstag verlegt.  

Morgen folgt aber auch eine Wanderung und zwar die zum Klammgeist mit Bildern für Cam Underfoot. 


In Murnau war ich schon einmal, damals mit dem Auto und es war eine elende Sucherei nach einem Parkplatz. Dieses Mal fuhren wir mit der Bahn, das ist eine feine Sache, denn einmal alle Stunde fährt ein Zug in Richtung München Hauptbahnhof. Ich kann also in Mittenwald einsteigen und
mit dem Zug, der durch eine wundervolle Landschaft fährt, ohne Umsteigen nach Murnau fahren.


Dort am Bahnhof aussteigen und gemütlich über den Staffelsee oder aber durch den Ort und die Hauptstraße am Schloß vorbei gemütlich zum Münterhaus schlendern.




Sicherlich kennen einige von Euch Gabriele Münter?! Oder nicht! Es ist ja nicht schlimm, man kann nicht Jeden kennen und es ist ja auch vom Interesse abhängig.

ABER, wenn ich in Murnau Urlaub mache, so sollte ich doch wissen, was es sich mit dem Münterhaus auf sich hat.



Denn ich hatte ein Ehepaar mittleren Alters nach dem Weg zum Münterhaus gefragt, die mich anschauten, als käme ich vom Mond. Sie machten in Murnau Urlaub, hatten noch nie was vom Blauen Reiter, geschweige denn von Gabriele Münter und ihrem Haus gehört.

Naja, weiter mag ich da nichts sagen. Wenn ich irgendwo Urlaub mache, dann schaue ich schon und gehe vielen Sachen auf den Grund. Warum, Weshalb und Wie usw.

Diese Hauptstraße von Murnau ist recht nett und abwechslungsreich und man kann dort ganz gut shoppen. Nix Billigklamotten feine sehr feine Geschäfte mit Kleidung und natürlich Deko.
Aber ich bin standhaft geblieben, ich habe in Mittenwald eingekauft, soviel, dass mein Koffer fast nicht mehr zugegangen ist. Nein, so schlimm war es nicht, aber ich zeige dann Bilder, schöne Sachen. Aber das kommt erst nächste Woche.

Da die Öffnungszeiten des Münterhauses eben so sind und erst ab 14.00 Uhr geöffnet ist, haben wir zuerst ein wenig geschaut und dann etwas gegessen. Leider naja, ist nicht so das Wahre für einen Vegatarier und Schweinshaxe mag ich nun mal gar nicht.

Vorher hatten wir noch einen Termin im Schloß, hier schauten wir uns eine Ausstellung über den Blauen Reiter an. Die Führung machte eine Kunsthistorikerin hatten. Mein lieber Schwan, die hatte es drauf, selten so eine tolle, wissenswerte und prickelnde Führung genossen.
Ich habe Dinge gehört, die wußte ich noch gar nicht und ich behaupte schon, dass ich mich schon eingehend mit dem "Blauen Reiter" befasst habe. Erstmals konfrontiert mit dem Blauen Reiter wurde ich in meinem Studium an der Kunstakademie in Stuttgart, als unsere Dozentin Herta-Maria Witzemann von dieser Künstlervereinigung erzählte. 

Im Schloß zu Murnau darf nicht fotografiert werden, das habe ich dann im Münterhaus nachgeholt. Hier ist es gestattet.

Gabriele Münter war viele Jahre mit dem Maler Kandinsky zusammen, dem sie ebenbürtig war.
Zusammen mit Franz Marc gründete Wassily Kandinsky die  Künstlervereinigung Blauer Reiter. Warum, Blauer Reiter? Nun Kandinsky liebte die Farbe Blau und Franz Marc mochte Pferde.

Ich habe schon einmal davon berichtet:


Das Haus in der Kottmüllerallee 6 in Murnau gefiel 
Wassiliy Kandinsky sofort. Als Gabriele Münter das Haus erwarb, standen Münter und Kandinsky ganz am Anfang ihrer Karriere. Sie zogen zuerst als Mieter in das Haus, das sie als Sommerhaus benutzen wollten. Der Maurer
Xaver Streidel hatte das Haus nach den Plänen des Architekten Ernst Hegemann (1875-1957) bauen lassen. Kandinsky mietete für die Wintermonate zusätzlich noch eine Wohnung in der Ainmillerstraße 36 in München an. 


Das Haus verfügt über eine Küche, sie ist Blau gestrichen.  Wasser gab es nur in der Küche und ein Bad war nicht vorhanden, geschweige denn eine Heizung. Es gab einen wundervollen Garten mit Blumen und Gemüse und einem Rondell in der Mitte von Kandinsky gestaltet. Im Garten arbeiteten Kandinsky und Münter sehr viel und bauten auch Gemüse und Blumen an. Heute gibt es in diesem Garten wunderschöne Blumen.



Das berühmte Rondell, das Kandinsky unbedingt haben wollte, als er den Garten gestaltete.  








Im Haus befinden sich einfache Möbel, die von Kandinsky und Münter bemalt wurden und wunderschön sind. Der Küchenschrank. 



Gleich als ich um die Ecke bog, lachte mich das Haus aus den Bäumen an. Ein wunderbares Haus. Der Eingang wurde aber verlegt, heute gehen die Besucher durch den Keller nach oben.  Viele bekannte Künstler gingen durch diesen Eingang.



in dieses Haus, das von der Bevölkerung argwöhnisch beäugt wurde. Gabriele Münter und Wasilliy Kandinsky führten eine "wilde" Ehe (eine Gewissensehe), was nun damals nicht so gut war (Kandinsky war noch verheiratet). Trotzdem verlobte er sich 1903 in Kallmünz mit
 Gabriele Münter. 

Es gab Streitereien mit Franz Marc (seine Biographie ist so interessant)  mit Gabriele Münter die andauerten, bis es endlich es endlich soweit war und man mit gutem Gewissen den Blauen Reiter gründete. 
Alexander Jawlenski, Marianne von Werefkin, deren Malhand verkrüppelt war und sie durch ein tolle Konstruktion des Pinsels sehr gut malen konnte. Franz Marc, der obwohl er seine Maria heiraten wollte, Marie Schnür in erster Ehe geheiratet hatte. Marie Schnür hatte von einem Malerkollegen ein Kind bekommen, der sie dann mit dem Kind sitzen gelassen hat. Franz Marc, Marie Schnür und Maria Franck führten lange Zeit ein Drecksverhältnis. Bis er sich von Marie Schnür scheiden  ließ und dann Maria heiratete.

Überhaupt war das in Künstlerkreisen sowas wohl kein Thema. Alexey von Jawlenski und Marianne 
von Werefkin auch Mitglieder des Blauen Reiters hatten ebenso ein Verhältnis, obwohl Alexej ein Kind mit einer anderen Frau hatte, die ihnen den Haushalt führte.  
Künstler eben und total interessant. Das war wohl damals schon so und nicht nur in den 60ern.


Franz Marc fiel am 4. März 1916 in Braquis bei Verdun, Frankreich.

Auf die Geschichte von Gabriele Münter und Wassily Kandinsky gehe ich hier nicht ein, denn die kann man bei Interesse selbst nachlesen, wenn man möchte. Kandinsky war ein Mann, der ständig neue Reize brauchte und selten mit etwas zufrieden war. So war seine Liebe, nachdem er 1914 bei Ausbruch des 1. Welkrieges als Russe aus Deutschland fliehen mußte wohl auch vorbei. Ein letztes Zusammentreffen gab es 1916 in Stockholm. 1917 brach Kandinsky den Kontakt zu Münter ab, nachdem er 1917 seine zweite Frau Nina geheiratet hatte. Von seiner ersten Frau ließ er sich 1911 scheiden, immer wieder Gabriele Münter zu versprechen, sie zu heiraten.

Gabriele Münter und Er haben sich nie wieder gesehen, weder gesprochen, noch geschrieben.
Seine Gemälde ließ er in Murnau zurück, ein jahrelanger Rechtsstreit entwickelte sich zwischen der
inzwischen geheirateten Nina Kandinsky und Gabriele Münter. Einige Gemälde gab Münter an Nina Kandinsky zurück. 

Ein interessanter Link, den ich gefunden habe


Die Bilder von Kandinsky hütete Münter über die NS-Zeit im Keller ihres Hauses, weil sie nicht wußte, ob sie nicht unter die "Entartete Kunst" gefallen wären. Auch sie wurde von den Nazis beäugt. Sie stiftete die Bilder Kandinskys und ihre Bilder als Stiftung der "Galerie am Lenbachhaus" in München, die ohne diese Bilder nie diesen Weltruf erlangt hätte.

Das Haus, das ich erfürchtig betreten habe, es ging mir so durch den Kopf wer hier schon alles Einlass gefunden hat und da werde ich erfürchtig, was ich von anderen Besuchern nicht behaupten kann. Die stiefeln durch das Haus ohne Sinn und Verstand, geben in einem merkwürdigen Dialekt Kommentare, dass ich einem die Fußnägel hochrollen. Aber gut, es kann halt nicht Jeder damit etwas anfangen.

Man betritt das Haus durch den ehemaligen Keller, hier befindet sich die Kasse und Schaukästen mit Informationen und auch Schließfächer für Taschen usw., geht die Wendeltreppe hoch, die von Kandinsky mit Schablonen bemalt wurde


 

 und gelangt in den ersten Stock, dort befinden sich Küche und Wohnzimmer.



 Die Essecke mit den Hinterglasmalereien von Kandinsky und Erinnerungen von Gabriele Münter





Weiter geht man die Treppe hoch, hier befinden sich die Schlafräume. Interessant, Gabriele Münter konnte von ihrem Bett aus in Kandinskys Zimmer bzw. Bett schauen und so sah sie ihn im Bett liegen, was sie in einem Gemälde auch gezeigt hat.



Bilder Kandinskys Schlafzimmer mit Kleidungsstücken.
Bild Gabriele Münter, Bett bemalt von Kandinsky








Schlafzimmer Gabriel Münter, Bett bemalt von Gabriele Münter wie auch die Möbelstücke 








Es war ein wunderschöner Tag in Murnau und ich habe diesen Tag genossen, nicht stundenlang in einer Gartenwirtschaft, sondern mit vielen, vielen Informationen um viele bekannte Persönlickeiten u.a. auch um Ödon von Horvath, der auch ein besonderer Besucher in diesem von der Bevölkerung genannten "Russenhaus" bzw. "Hurenhaus" war.



Gabriele Münter kam lange Zeit über die Trennung nicht hinweg und hatte lange eine Schaffenspause. Bis sie 1931 mit ihrem 2. Lebensgefährten Johannes Eichner, der das Haus vollständig renovieren ließ und auch mit einer Zentralheizung versorgte, in das Haus als festen Wohnsitz einzog.  Als Dank dafür überschrieb ihm Gabriele Münter das Haus und behielt ein Dauerwohnrecht. 



Mit Johannes Eichner zog auch wieder Freude in ihr bis dahin ruheloses Leben ein.

Auf dem Friedhof in Murnau haben Beide ihr Grab. Ein wunderschönes Grab mit Blick auf ihr Haus. 





Auch vom Haus sieht man direkt auf das Schloß


 und auf die St. Nikolaus Kirche. 



Auf die Geschichte des Expressionismus bin ich bewußt nicht eingegangen, die kann man sich auch bei Interesse selbst einverleiben.

Ich bin ein großer Verehrer von Gabriele Münter. Bei Kandinsky habe ich da etwas Schwierigkeiten.Von Gabriele Münter habe ich sehr viele Bilder.  Leider nur Drucke aber schön gerahmt vom ehemaligen Kunsthaus Schaller in Stuttgart. Ich mag diese Bilder sehr. 

Ach, ich habe in dieser Woche soviel erlebt, soviel erleben manche in ihrem ganzen Leben nicht. ;-)

Nein, ich muß das alles erstmal so richtig verarbeiten und das mache ich jetzt mit meinen Posts.
Sicherlich ist dieser etwas lang geworden, aber für mich doch auch sowas wie Nochmalserleben.



"Gottes Funke steckt in Dir, was so selten 
bei den Malern zu finden ist"

Wassily Kandinski am 6.1.1915 an Gabriele Münter





Gabriel Münter mit 80 Jahren, Fotografie im Münterhaus.

Eine großartige Frau



Die Bilder sind alles von Gabriele Münter, die ich hier gezeigt habe. 

Empfehlenswertes Buch zum Thema.

https://www.amazon.de/Die-Zeit-mit-Kandinsky-Photographien/dp/382960288X 



Mein Sommerpost geht heute zu Lottas Postkartenaktion.





Ein Film über das Thema











Kommentare

  1. Natürlich war die Küche blau gestrichen ;)) Ich hätte das Haus auch sofort gekauft, liebe Eva! Du nicht auch? Die liebevoll bemalten Möbelstücke sind schon fast kleine Kunstwerke, nicht wahr?! Was für ein herrlicher Ausflug! Und eine Freude für uns!! Kein Wunder, dass Du fast die Finger wundgeschrieben hast ;)) Liebste Grüße und einen feinen Tag, Nicole

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    1. Liebe Nicole,
      ich habe das gerne gemacht, es hat mir Spaß gemacht, die Finger wund zu schreiben. Das Haus hat damals 12.000 Reichsmark gekostet. Ne Menge damals.

      Lieben Gruß Eva

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  2. Liebe Eva,
    deine Begeisterung ist nicht zu überlesen. Vielen Dank für diesen langen und sehr informativen Post.
    Das Haus ist wunderschön und mir scheint die freie Liebe war nicht unbedingt eine Erfindung der Hippie-Generation - grins.

    glg und dir einen schönen Tag.
    nicole

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  3. Was für ein wunderschönes Haus!
    Und das Blau der Küche ist einfach genial.
    Liebe Grüße
    Jutta

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  4. Wunderschön danke für's Zeigen!
    Wie gerne würde ich durch den "richtigen" Eingang gehen, aber na egal hauptsache man darf es überhaupt betreten. Und wie schön das fotografieren erlaubt ist.
    LG
    Kirsi

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  5. Danke für die wertvollen Informationen, die ich demnächst sicher gebrauchen kann. Habe momentan allerdings ganz andere, heftige Probleme, deshalb nur dieses kurze Lebenszeichen.
    GLG
    Astrid

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  6. Liebe Eva,

    du gehst immer zu sehr von dir selber aus. Wenn ich irgendwo hin fahre, dann informiere ich mich vorher auch. Das mach ich so und du offenbar auch. Vielleicht hatte das Ehepaar gerade eine schwere Zeit hinter sich wegen Krankheit oder Tod und wollte einfach nur die Seele baumeln lassen und Kraft tanken. Das weißt du ja gar nicht. Oder sie interessieren sich einfach nicht so für Kunst wie du... sowas solles ja auch geben... Nix für ungut!

    Liebe Grüße aus Berlin
    Doreen

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    1. Liebe Doreen,
      das hatten sie mit Sicherheit nicht, denn ansonsten waren sie sehr gesprächig. Aber das weißt nun du wieder nicht.
      Nix für ungut. Aber sie interessierten sich tatsächlich nicht für Kunst.
      LG Eva

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  7. TOLLER BEITRAG,,,,
    i wünscht i kannt ah bisal malen...
    i schau so gern meiner FREUNDIN zua
    de is ah KÜNSTLERIN....

    hob no an feinen ABEND
    und DANKE für de liaben WORTE bei mir
    BUSSALE bis bald de BIRGIT

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  8. Ein wunderschönes Haus, liebe Eva, ein schöner Garten und ganz viel interessante Informationen.
    Vielen Dank dafür. Ja, meistens haben die ganz großen Lieben kein happy end. Das ist traurig.
    Aber vielleicht wäre es noch trauriger, wenn so eine Liebe im Alltagseinerlei nach und nach stirbt.
    Wie gut, dass sich die Zeiten geändert haben. Das war früher (und das ist ja noch gar nicht so
    lange her!) schon eine verlogene Moral.
    Liebe Grüße von Edith

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  9. Herzlichen Dank für diese wunderbare Postkarte...ich habe sie gerade in den illustren Reigen eingereiht...;-). Ein toller Rundgang...meinen Horizont hast du definitiv erweitert! LG Lotta.

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    1. ;-)))))))

      Lotta, das glaube ich nicht. Aber wenn dann ist es auch gut.

      Lachende Grüße Eva

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  10. Kandinsky, Münter und der blaue Reiter sagen mir natürlich was, so mag ich Kunst da ich durch meinen Dad auch schon als Kind damit sozusagen in Berührung gekommen bin. Allerdings mit dem Münter-Haus wusste ich nicht. Von daher fand ich es superklasse deinen Post zu lesen, viel Info und dazu noch so klasse Bilder. Danke dir dass du uns mitgenommen hast. Sollte ich jemals noch dort hinkommen werde ich es auf jeden Fall auch besuchen.

    Liebe Grüsse

    N☼va

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  11. Vielen Dank für die Postkarte von einem Ort, an dem ich noch nie war.
    Liebe Grüße

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Ein liebes Dankeschön für deinen Kommentar, das freut mich sehr.
Sei bitte nicht böse, wenn dein Kommentar nicht gleich freigeschaltet wird.
Sobald ich das kann, werde ich es tun und ich komme mit Sicherheit auch bei dir vorbei.

Allerdings behalte ich mir auch vor, Kommentare nicht zu veröffentlichen.
Lieben Gruß Eva








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