Eine kleine Weihnachtsgeschichte 14. Türchen



Weihnachten 1958
Meta





Anfang Dezember 1958 ging meine Mutter mit mir zum Schuhe kaufen in die Schulstraße zu Schuh Braun. Ein paar Schritte weiter war das Geschäft von Spielwaren Kurtz. Dort machen wir noch einen Besuch.

Alles war schon weihnachtlich geschmückt, ich freute mich auf Weihnachten und hatte auch schon meine Wünsche.

Beim Kurtz sah ich SIE!
 Unter vielen anderen Puppen!
Sie eine wunderschöne Puppe. 
Ich habe mich sofort in sie verliebt.
Aus Celluloid, mit einem schönen Kurzhaarschnitt und  Haare, die man kämmen konnte. Angezogen war sie mit einem rosa Anzug mit kurzen Beinchen. Der Liegestuhl in dem sie saß, war für sie gemacht. 

 DIE wollte ich haben, DIE oder keine! 

Meine Mutter sah den Preis und meinte, das wäre dann doch ein wenig teuer und ich hätte doch auch 
noch andere Wünsche.

In den nächsten Tagen ging ich immer wieder zu
 "Spielwaren Kurtz" und schaute mir
Meta, 
so nannte ich die Puppe jetzt

(keine Ahnung, wie ich auf den Namen kam) an.

Ihr Blick sagte: „Kauf mich, ich möchte zu dir“! 

Als  ich dann ca. eine  Woche später nochmals ins Schaufenster schaute, war meine Meta weg.

Neue Puppen waren in den Regalen.
Nö, die wollte ich nicht haben.
Traurig ging ich nach Hause und erzählte
meiner Mutter davon.

In den nächsten Tagen kam ich so recht über den "Verlust" nicht weg. Meine Mutter tröstete mich. Sie gab mir von den Plätzchen, die sie gebacken hatte und die nicht so geworden waren, wie sie es sich wünschte. Meine Mutter konnte Plätzchen backen wie gemalt und sie nahm sich sehr viel Zeit dafür. Die Plätzchen, die nicht ihren Ansprüchen genügten, gab sie zum Sofortessen frei.

Nach und nach verschwanden nun – wie jedes Jahr - auch meine zwei anderen Puppen Lotte und Jürgen sowie auch mein Puppenwagen und mein Puppenbett. Das war an Weihnachten bei uns so, meine Mutter richtete 
 jetzt alles fürs Weihnachtsfest. 

Eine Woche vor dem Fest kam unser Weihnachtsbaum. Den brachte ein Transportunternehmen. Mein Buder hatte ihn, traditionsgemäß immer beim Weihnachtsbaumverkauf am Feuersee herausgesucht. Wir wohnten damals im 3. Stock (ohne Aufzug)  in einem wunderschönen Haus in der Stuttgarter Olgastraße in einer 6-Zimmer-Wohnung mit sehr hohen Wänden. Diesen Christbaum konnte keiner von uns tragen und wollte es auch nicht. Das war wirklich ein Aktion, denn der war so groß, weil er an die Zimmerdecke reichen mußte. Zwei Männer schleppten den Baum hoch.
Im Januar kamen dieses Männer wieder und zersägten den Baum oben in der Wohnung im Wintergarten. 

Dann drei Tage vor Weihnachten entwickelte mein Bruder emsige Geschäftigkeit. Die Kisten mit dem Christbaumschmuck wurden vom Speicher geholt und mein Bruder fing an den Weihnachtsbaum zu richten. Das dauerte, denn er machte sich sehr viel Mühe damit. Dafür hatten wir aber auch einen wunderschönen Weihnachtsbaum mit echten Kerzen und dem Wassereimer in der Ecke!!!!
Dieser Christbaum stand meist bis zum Geburtstag meiner Mutter am 28. Januar und wurde außer an Weihnachten nie wieder angezündet. Hustete man im Januar, dann rieselte es.


Der Weihnachtsabend nahte!!!
Meine Mutter hatte viel Arbeit, meine Vater meckert, die Kinder nervten und alles war ziemlich angespannt, weil eigentlich nichts klappte. Meine Schwester übte noch ein paar Takte auf dem Klavier aber auch das klappte absolut nicht. Ich kenne mein Elternhaus nur mit Weihnachtsstress und ich habe mir geschworen, bei mir gibt es das nicht. 
Ich habe es bis jetzt durchgehalten. Noch nie hatte ich an Weihnachten Stress. 

Meine Mutter kochte dann mit unserer Hausgehilfin noch das Weihnachtsessen, das aus Pastetchen mit Kalbfleisch, Salat und Reis bestand. Das gab es immer an Weihnachten auch später noch. Das war Tradition! Es gab nie etwas anderes.

Jaaaa und dann endlich klingelte es, ich durfte in das Zimmer. Die Kerzen am Weihnachtsbaum brannten, der Wassereimer stand in der Ecke. Meine Puppenstube war wie jedes Jahr wunderschön gerichtet, der Puppenwagen mit Lotte war da und Lotte hatte neue Haare und Jürgen einen neuen Anzug und lag im Puppenbett. Der Kaufladen war gefüllt und wartete auf die Käufer.

Und ich konnte es kaum glauben auf dem Tisch mitten bei den bunten Tellern saß im Liegestuhl META. Ich machte einen Luftsprung, so habe ich mich gefreut. Meine Meta, ich konnte es kaum glauben.

Auch meine Geschwister bekamen ihre Geschenke. Für mich gab es aber nur noch Meta und ich war froh und glücklich.

Von meinen Puppen ist mir nur Meta geblieben. Lotte und Jürgen sowie der Kinderwagen und das Puppenbett hat meine Mutter leider nach Österreich zu Bekannten gegeben.
Alles ohne mein Wissen, was ich nicht so toll fand. Aber sie meinte wohl, sie tut ein gutes Werk.
Meine Puppen, die ich so hütete landeten in Österreich und dort wahrscheinlich im Müll. 

Nur Meta ist mir geblieben und ich habe sie heute noch. Sie ist zwar auch schon in die Jahre gekommen und man sieht ihr an, dass mir ihr gespielt wurde. Aber ich hüte sie wie einen Schatz.

Meta ist heute von Kopf bis Fuß neu eingekleidet und hat auch noch ein paar Kleidchen in Reserve. Gelegentlich darf sie auch mal zum Puppendoktor, weil ihr Auge etwas gelitten hat und die Schlafaugen nicht mehr so funktionieren. Aber seht Ihr, was für wundervolle lange Wimpern sie hat?

Schuh Braun, ein wunderbares Schuhgeschäft mit einer großen Rutschbahn, gibt es heute nicht mehr. Heute ist ein Tamaris Schuladen ansässig. Auch Spielwaren Kurtz hat sich verkleinert. Leider!Nur der hintere Teil führt noch Spielwaren. 
Vorne ist ein Nespresso Laden untergebracht. Schade, so verändern sich die Großstädte. Nur die Großen können überleben und die Städte sehen mit der Zeit alle gleich aus.

Der Post darf natürlich auch zum Guckloch von Susi

Kommentare

  1. Eine wunderschöne Geschichte! Damals hat man sich noch richtig gefreut, nicht immer bekam man, was man sich wünschte. Übrigens hat mein Vater auch alles weggegeben, mir blieb nur eine Puppe und die hat heute unsere Lütte. Schade, dass die schönen Geschäfte alle schließen, aber letztlich beteiligen wir uns ja auch daran, wenn wir im Netz bestellen. Meine Wünsche sind heute andere.

    Sigrun

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    1. Liebe Sigrun,
      das ist richtig, auch ich bestelle im Netz. Aber vieles kaufe ich auch vor Ort. Vielen Dank, klar meine
      Wünsche sind heute auch andere, aber sie halten sich in Grenzen. Man kommt irgendwann in ein Alter, da gibt es andere Wünsche.
      Lieben Gruß und danke
      Eva

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  2. Eine ganz wunderbare anrührende Geschichte, liebe Eva! Meta.. man sieht ihr an das sie geliebt wurde und immer noch geliebt wird.. einfach bezauernd!! Hast Du meine Email jetzt gelesen, Eva?! Deine hübsche Post ist wohlbehalten bei mir angekommen und ich habe mich wie bolle gefreut ;)) Vielen lieben Dank!! Ganz liebe Grüße in die neue Adventswoche, Nicole

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    1. Nö, Nicole,
      keine e-Mail angekommen?
      Lieben Dank und Gruß Eva

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  3. Was für eine schöne Geschichte! Und ein bißchen kommt es mir vor wie in einem Weihnachtsfilm.
    "Madita" oder so, wenn ich von Haushaltshilfen lese ;-))
    Deine Meta (was ein Name ;-)) hat nicht nur lange Wimpern, sondern auch ziemlich knalleblaue Augen!
    Dass es üebrall die gleichen Läden gibt, macht mich übrigens auch traurig. obwohl auch ich bestimmt eine Mitschuld daran trage. Meine Tochter bekam von mir auch Puppen vererbt und noch heute komme ich mit den Namen durcheinander (sie bekamen natürlich neue). Ich hänge allerdings gar nicht mehr an ihnen. Fast schade, wenn ich deine Zeilen lese.
    Liebe Grüße
    Jutta

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    1. Ja Jutta,
      ich kaufe auch viel im Internet, da muß ich mich auch an der Nase fassen. ES ist schon manchmal weitaus
      bequemer.

      LG Eva

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  4. Liebe Eva, was für eine schöne Geschichte Schön dass Du Deine Meta bekommen hast und toll dass Du sie noch heute hast.
    Wünsch Dir einen schönen Tag, liebe Grüße Tina

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  5. Ja, ich finde es auch toll, dass du die Puppe noch hast und ich finde sie sehr hübsch.
    Ich habe nicht eine einzige Puppe aus meiner Kindheit behalten. Am meisten habe ich geweint um eine wunderschöne Babypuppe mit weichen, gummiartigen Armen und Beinen. Mein Vater hatte sie mir im Krieg gekauft, ich glaube in Österreich, als er auf Fronturlaub war.
    Alle mene Puppen und alles andere sind in der Tschechei geblieben 1945.
    Alle, die das Kriegsende nicht mitgemacht haben, können froh sein.

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  6. Hallo Eva toll das du deine Puppe noch hast.Auch deine Erinnerung wie du sie das erste mal sahst.Ich habe leider nichts mehr,ist irgentwie verloren gegangen als ich es meinen Kindern gab.Lg Elke

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  7. Hallöchen Eva,
    was für eine liebe kleine Geschichte!
    Ja so Herzenwünsche, wenn die wahr werden ist es das größte Glück auf Erden!
    Schön das du dein Püppchen noch hast!
    Ich habe einen alten Affen von Steiff, der ist aber schon sehr kaputt....
    Zur Zelluloid Puppe habe ich aber auch noch was.....
    Ich habe meine in den Ofen geworfen, warum weiss ich nicht mehr...
    Mönsch gab das n Knall°!!!!!
    KA ob ich dafür n Povoll bekommen hab???
    Wahrscheinlich nicht, hätt ja eh nix mehr geholfen!
    Hab noch einen schönen Abend!
    Liebe Grüße sende,
    Britta

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  8. Hallo Eva,
    auch ich kann von ganz ähnlicher Geschichte berichten und werde dies demnächst für´s "Guckloch" auch tun.
    Aber ist der Name "Meta" nicht eher ein sehr ungewöhnlicher Puppenname? Egal, "Meta" hat eine ganz bezaubernde Ausstrahlung, kein Wunder das du sie ins Herz geschlossen hast und das Puppenkleid ist wunderschön!
    Darf ich auch deine Geschichte im "Guckloch" verlinken?
    LG Heidi

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  9. Das ist aber eine wundervolle Geschichte!!
    Ich bin jetzt so richtig in Weihnachtsstimmung gekommen! Ich finde es toll, dass du die Puppe immer noch hegst und pflegst!
    Ganz liebe Grüße
    Silvia

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Lieben Gruß Eva